GEWISSEN

 

„Das Bewusstsein der Schuld haben wir in dem bösen Gewissen.“ (Adolf Hoenecke)

 

„Fliehe dieses Gericht des Gewissens, in welchem einer und derselbe Angeklagter, Anwalt, Zeuge, Richter, Peiniger, Gefängnis, Geißel, Vollstrecker, Stockmeister ist. Welch Entrinnen wäre hier möglich, wo der selbst Zeuge ist, der anklagt, und wo dem nichts verborgen sein kann, welcher richtet? Was nützt’s, wenn alle dich loben, und das Gewissen dich anklagt? Was wird es schaden können, wenn alle sich von dir lossagen, und das Gewissen dich verteidigt? Dieser einige Richter ist genug für einen jeden zum Anklagen, zum Richten, zum Verdammen. Dieser unbestochene Richter kann weder durch Bitten andern Sinnes, noch durch Geschenke andern Willens gemacht werden. Wohin du auch gehest, wo du auch bist, da ist immer dein Gewissen bei dir, und trägt bei sich, was du in es gelegt hast, es sei nun Gutes, oder Böses; dem Lebendigen bewahrt es und dem Gestorbenen erstattet es, was in es niedergelegt worden ist und was es zur Bewahrung empfangen hat. So sind in Wahrheit des Menschen Feinde seine eignen Hausgenossen Matth. 10,36, so hast du im eignen Hause und von der eignen Familie Ankläger, Beobachter und Peiniger. Was nützt’s in der Fülle des Überflusses leben und von der Geißel des Gewissens gefoltert werden? Der Quell des menschlichen Glückes und Elendes liegt in dem Herzen. Was hilft’s einem Fieberkranken auf einem goldnen Bette liegen? Was hilft’s einem von den Bissen des Gewissens Geängsteten an der Masse äußeren Glückes sich ergötzen? (…..) Es sind drei Gerichte: das Gericht der Welt, das Gericht deiner selbst, und das Gericht Gottes. Wie du aber dem Gerichte Gottes nicht entlaufen kannst, so wirst du auch deinem eigenen Gerichte nicht entlaufen können, wenn du auch einmal dem Gericht der Welt entläufst. Es gibt keine Wände, die es verhindern können, dass dieser Zeuge deine Handlungen sieht. Welche Entschuldigung wird’s vermögen, dich in Schutz zu nehmen, wenn die innere Anklage dich verdammt? Die Ruhe des Gewissens ist der Anfang des ewigen Lebens. Wahrer und zu größerer Erquickung wirst du mitten in Trübsal des guten Gewissens dich freuen, als des bösen mitten in der Freude. Aller Anschuldigung der Boshaften wirst du die Entschuldigung des Gewissens entgegenstellen können. Frage dich über dich, weil du dich viel besser kennst, als irgend ein andrer Mensch. Was werden im letzten Gericht die falschen Lobeserhebungen anderer helfen, was die falschen Verunglimpfungen anderer schaden? Gottes und deinem Gerichte wirst du stehen oder fallen, nicht dem Zeugnisse anderer wirst du stehen oder fallen. Das Gewissen hat kein Ende, wie die Seele kein Ende hat. So lange werden die göttlichen Strafen die Verdammten drücken, als die Anklage des Gewissens dauern wird. Kein äußerliches Feuer greift den Körper so heftig an, als diese innerliche Flamme die Seele mit ihrem Brande angreift. Ewig ist die Seele, die den Brand empfindet, ewig das Feuer des Gewissens, welches brennt. Keine äußerlichen Streiche sind dem Leibe so lästig, als der Seele diese innerlichen Schläge beschwerlich sind. Hüte dich darum vor dem Fluch der Sünde, damit du der Marter des Gewissens entgehest.“ (Johann Gerhard)

 

„Wer Unruhe hat wegen seiner Sünden, der ist ein Narr, wenn er nicht eiligst zu Christo flieht und wenn er denkt: „Mein böses Gewissen zeigt ja an, dass ich nicht zu Gott kommen soll.“ Nein, das zeigt es an: Du sollst zu Jesu kommen, und dann wirst du ein fröhliches Gewissen bekommen, dass du bei Tag und auch bei Nacht, wenn du aufstehst und wenn du dich niederlegst, kannst Gott preisen mit fröhlichem Herzen. Denn wozu ist Christus für dich gestorben? Also, wenn du siehst, dass du noch die und die Sünde begangen hast, und du weißt keinen Rat – und du sollst auch keinen wissen aus dir selbst, aber es ist einer, der weiß Rat – dann gehe nur zu Jesu! – „Darum sollet Ihr nur in ihm durch getroste Verzweiflung an Euch selbst und Euren Werken Frieden finden.“ – Ein merkwürdiges Wort: „Durch getroste Verzweiflung an Euch selbst!“ Und doch ist es wahr! Wenn ein armer Sünder sich ansieht, so ist er verzweifelt; wenn er Jesum ansieht, so ist er getrost.“ (C. F. W. Walther)