HEILIGE

 

„Die Ekklesia Christi, die Jüngergemeinde, ist der Herrschaft der Welt entrissen. Zwar lebt sie mitten in der Welt. Aber sie ist zu Einem Leib gemacht, sie ist ein eigener Herrschaftsbereich, ein Raum für sich. Sie ist die heilige Kirche (Eph. 5,27), die Gemeinde der Heiligen (1. Kor. 14,34), und ihre Glieder sind die berufenen Heiligen (Röm. 1,7), die in Jesus Christus geheiligt sind (1. Kor. 1,2), auserwählt und ausgesondert, ehe der Welt Grund gelegt wurde (Eph. 1,4). Das war das Ziel ihrer Berufung zu Jesus Christus, ja ihrer Erwählung vor der Gründung der Welt, dass sie heilig und untadelig seien (Eph. 1,4), dazu hatte Christus seinen Leib in den Tod gegeben, dass er die Seinen heilig, unbefleckt und unsträflich vor sich selbst darstellte (Kol. 1,22), das ist die Frucht der Befreiung von der Sünde durch den Tod Christi, dass die, die einstmals ihre Glieder der Ungerechtigkeit liehen, sie nun zum Dienst der Gerechtigkeit gebrauchen, zur Heiligung (Röm. 6,19-22). Heilig ist allein Gott. Er ist es sowohl in der völligen Absonderung von der sündigen Welt, wie in der Gründung seines Heiligtums mitten in der Welt (…..). Das ist Gottes Heiligkeit, dass er sich mitten in der Welt seine Wohnung, sein Heiligtum bereitet, und von diesem Heiligtum Gericht und Erlösung ausgehen lässt (Psalm 99 u. ö.). Im Heiligtum aber verbindet sich der Heilige mit seinem Volk. Das geschieht durch Versöhnung, die nirgends anders erlangt wird als im Heiligtum (Lev. 16,16ff.). Gott schließt mit seinem Volk einen Bund. Er sondert es aus, er macht es zu seinem Eigentum und verbürgt sich selbst für diesen Bund. „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig, der Herr, euer Gott“ (Lev. 19,1), und „ich bin heilig, der Herr, der euch heiligt“ (Lev. 21,8). – Das ist der Grund, auf dem dieser Bund besteht. Alle weiteren Gesetze, die dem Volk gegeben werden, und die es halten soll in Gerechtigkeit, haben zur Voraussetzung und zum Ziel die Heiligkeit Gottes und seiner Gemeinde. Wie Gott selbst als der Heilige abgesondert ist vom Gemeinen, von der Sünde, so ist es auch die Gemeinde seines Heiligtums. Er hat sie selbst erwählt. Er hat sie zur Gemeinde seines Bundes gemacht. Er hat sie im Heiligtum versöhnt und gereinigt. Das Heiligtum aber ist der Tempel, und der Tempel ist der Leib Christi. So ist im Leib Christi der Wille Gottes zu einer heiligen Gemeinde erfüllt. Abgesondert von Welt und Sünde zum Eigentum Gottes gemacht, ist der Leib Christi das Heiligtum Gottes in der Welt.“ (Dietrich Bonhoeffer)